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Nasenrekonstruktion
Eine Nasenrekonstruktion wird meist im Verlauf der operativen Behandlung von Tumorerkrankungen der Nase erforderlich. Sie folgt, auch nach Verletzungen oder bei Fehlbildungen, den plastischchirurgischen Prinzipien.

Die Nasenrekonstruktion nimmt in unserer täglichen Arbeit eine besondere Stellung ein und folgt insbesondere dem Prinzip und erklärten Ziel nicht nur einer funktionellen, sondern auch einer ästhetischen Nasenrekonstruktion.

Nasenrekonstruktionen nach Defektverletzungen und nach Tumorenresektion erfreuen sich in verschiedenen chirurgisch tätigen Disziplinen einer zunehmenden Beliebtheit. Zunehmend sind leider auch teilweise katastrophale Ergebnisse und Ratlosigkeit, wie mit den betroffenen Patienten weiter zu verfahren ist.

Für scheinbar einfache Defekte gibt es viele verschiedenen Lösungen die aber nicht gleichwertig sind. 


Die allschichtige Rekonstruktion eines Nasenflügels, einer Nasenspitze, eines Stegs oder einer ganzen Nasenwand bedeuten die größte Herausforderung für die Plastische Chirurgie. Die Herstellung einer unauffälligen Form und die freie Nasenatmung sind gleichermaßen unser Ziel. Dies gilt auch für Totalrekonstruktionen bei vollständigem Verlust der Nase.

Eine ausführliche Beratung hilft den Patienten die zeitliche, soziale und psychische Belastung einer Nasenrekonstruktion in mehreren Schritten über 2 bis 3 Monate zu tragen. Sie hilft außerdem dabei eine Entscheidung zwischen Eigengewebe-Rekonstruktion und epithetischem Ersatz (= Kunststoffnase) zu treffen.

Für die vom Patienten heutzutage erwartete Qualität einer komplexen Nasenrekonstruktion ist sehr viel Erfahrung erforderlich. Der Operateur muss deshalb hochspezialisiert sein und sich schwerpunktmäßig damit beschäftigen.


Tumorerkrankungen der Nase



Die meisten Substanzdefekte der Nase entstehen durch die erforderliche Resektion von bösartigen Tumoren der äußeren Nasenhaut. In der Mehrzahl sind es Basaliome, gefolgt von Plattenepithelkarzinomen und Melanomen. Andere Tumore und gutartige zerstörende Prozesse wie Blutschwämme oder Gefäßmissbildungen sind seltener.

Die Basaliome werden als “halbbösartige“ Tumore oft unterschätzt. Nach unvollständiger Entfernung zur Seite oder zur Tiefe kommt es zum erneuten Wachstum, welches das rekonstruktive Problem deutlich vergrößert. Die sklerodermiformen, klinisch schwer abgrenzbare Basaliome nehmen hierbei eine herausragende Stellung ein. Die Vollständigkeit der Entfernung ist am besten durch eine spezielle und vollständige Einbettung und Aufarbeitung (3-D-Histologie) sicherzustellen. Dies bedeutet für uns mehr Arbeit, aber auch verlässlichere Ergebnisse.

Plattenepithelkarzinome gehen nicht nur von der äußeren Nasenhaut aus. Die Karzinome im Naseninneren sind aufgrund der zeitlich späten Entdeckung gefährlicher. Bei Diagnosestellung im Frühstadium ist eine Operation mit Erhaltung von wichtigen Teilen der Nase möglich. Die Teilrekonstruktion ist chirurgisch gesehen dann zwar individuell sogar schwieriger, für den Patienten aber leichter zu bewältigen und im Ergebnis unauffälliger.

Kompromisse dürfen aber bezüglich der Radikalität der Tumorresektion nicht eingegangen werden. In Grenzfällen ist es weiterhin besser, eine von einem ausgedehnten bösartigen Tumor betroffene Nase ganz zu opfern und später zu rekonstruieren.

Die aktuellen Techniken der Nasenrekonstruktion folgen dem Prinzip der ästhetischen Rekonstruktion. Dies bedeutet nicht nur den Verschluss eines Hautdefektes, sondern auch die bestmögliche Wiederherstellung der Nasenform. Narben sollen die ästhetischen Untereinheiten der Nase, d.h. die Flügel, die Spitze oder den Nasensteg nicht durchqueren, sondern unauffällig an deren Grenzlinien liegen.

Für die Rekonstruktion bei scheinbar einfachen Defekten ist die Wahl zwischen freien Hauttransplantaten und lokalen Lappenplastiken zu treffen. Kriterien sind ein zu erwartendes optimales Ergebnis und in zweiter Linie der erforderliche Aufwand. Wir führen die Operationen meist stationär durch. Lokale Lappenplastiken erfordern zur Sicherstellung einer ausreichenden Durchblutung oftmals durchblutungsfördernde Infusionen. Kleine Saugdrainagen verhindern das Unterbluten und somit ein überstarkes Anschwellen. Bei freien Hauttransplantaten an der Nasenspitze oder den Flügeln verwenden wir Stirnhaut von der Haargrenze, die in Farbe und Dicke den Anforderungen der Nase entspricht. Deren Einheilung erfordert aber eine besonders sorgfältige lokale Pflege.

Als allschichtige Rekonstruktion bezeichnet man die Wiederherstellung bei Defekten aller fehlenden Schichten eines Nasenflügels oder der ganzen Nasenwand auf einer oder beiden Seiten (Haut, Knorpelgerüst, Innenauskleidung). Der korrekte Einsatz der heute bewährten plastisch chirurgischen Verfahren ist dabei von hoher Bedeutung.

Ohne eine gut durchblutete Innenauskleidung schrumpft ein aufgebauter Nasenflügel und blockiert die Atmung. Mit Schleimhautlappen aus der Nasenscheidewand oder mit freien Haut- oder Mundschleimhauttransplantaten können wir die Innenschicht wieder herstellen. Ebenso wichtig ist die neue Abstützung durch ein Knorpelgerüst, das aus Knorpel der Nasenscheidewand, Ohrknorpel oder aus Rippenknorpel geformt wird. Die Bedeckung der Nase mit neuer Haut nehmen wir meist mit einem Stirnhautlappen vor. Jedes Material und jede Entnahmestelle hat Vor- und Nachteile, deren wesentliche Begleitprobleme wir mit Ihnen besprechen werden.

Die Totalrekonstruktion bei vollständigem Verlust der Nase erfordert zusätzliche Schritte zum Aufbau der zentral stützenden Nasenscheidewand und der Innenauskleidung. Dies bedingt einen weiteren Zeitaufwand von 1 bis 2 Monaten. Durch Gewebelappen aus der angrenzenden Haut oder mit mikrochirurgisch angeschlossenen und somit wieder durchbluteten Hautlappen aus fernen Körperregionen kann zunächst eine Innenschicht aufgebaut werden. Diese muss sich dann stabilisieren, bevor sie ausgedünnt und mit einem Knorpelgerüst abgestützt werden kann. Die weiteren Schritte folgen den Techniken, wie sie im vorausgehenden Abschnitt über die allschichtige Rekonstruktion beschrieben wurden.

Wichtig ist uns bei der Beratung die Demonstration von Bildern, die dem Einzelfall am nächsten kommen und das zu erwartende Verfahren und Ergebnis am besten verständlich machen. Die allschichtige Rekonstruktion mit Knorpelgerüst, Innenauskleidung und Stirnhautlappen zieht sich meist über 3 Operationen im Abstand von jeweils 3 bis 4 Wochen hin. Es ist damit ein Zeitaufwand von mindestens 8 bis 10 Wochen vom Beginn bis zum Abschluss der Operationen und dem Entfernen der Fäden zu erwarten. Das bedeutet 3 Klinikaufenthalte mit Pausen von 1 bis 3 Wochen zu Hause. Berufstätige Patienten werden für die ganze Zeit krankgeschrieben. Geistige oder leichte körperliche Tätigkeiten sind zu Hause aber möglich. Hilfreich ist eine Beratung unter Betroffenen. Viele unserer Patienten haben sich dazu bereit erklärt. Gerne vermitteln wir solche Kontakte.

Der epithetische Ersatz einer ganzen Nase, einer Nasenhälfte oder eines Nasenflügels ist eine Alternative zur Nasenrekonstruktion mit Eigengewebe. Wir raten hierzu als vorübergehende Lösung, falls nach einer Tumoroperation eine zusätzliche Behandlung unverzüglich begonnen werden muss (Bestrahlung oder Chemotherapie) oder wenn Zweifel an der ausreichenden Radikalität einer Operation bestehen, die nicht ohne erhebliche Zerstörung durch weitere Operationen vollständig ausgeräumt werden können. Eine Nasenepithese eignet sich dann als Dauerlösung, wenn sich ein Patient daran gewöhnen kann und ein operativer Nasenaufbau aus vielerlei Gründen nicht in Frage kommt. Die Nasenepithesen werden durch sehr erfahrene Epithetiker hergestellt und halten im Nasendefekt von allein. Alternativ können die Epithesen auch mit im Knochen verankerten Metallimplantaten fixiert werden. Auch diese Lösungen veranschaulichen wir bei der Beratung anhand von Bildern unserer Patienten.

In unserer Klinik für Plastische Gesichtschirurgie sind wir in der Nasenrekonstruktion hochspezialisiert. Wir wenden die in der internationalen Fachwelt etablierten Techniken mit sehr gutem Erfolg an. Patienten aus ganz Deutschland und viele aus dem Ausland haben davon schon profitiert. Bei den oftmals großen Entfernungen kooperieren wir mit den vor Ort für die Patienten zuständigen Ärzten, um den organisatorischen Aufwand auf das nötige Maß zu beschränken.