Lahmlegen der faltenverursachenden Muskeln mit Botulinumtoxin
Bekannt wurde das Muskel lähmende Botulinum-Toxin erst einmal als
„Wurstgift“, das verdorbene Konserven zu lebensgefährlichen
Nahrungsmitteln machte. Auch als biologischer Kampfstoff machte es von
sich reden, ebenso erschließen sich dem Gift aber auch immer mehr
Einsatzfelder in der Medizin. Ob das Botulinum-Toxin (z.B. Botox®) als
Gift wirkt oder zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden kann,
bestimmt seine Dosis. Das abgeschwächte Gift Botulinustoxin A (auch
Botulinum Toxin) wurde bereits vor etlichen Jahren für die
ästhetisch-plastische Chirurgie entdeckt. Das Einspritzen eignet sich
besonders für Zornesfalten, Krähenfüße und die waagerechten
Stirnfalten, die allesamt durch einen kräftigen Muskelzug hervorgerufen
werden. Weitere Einsatzgebiete sind Falten am seitlichen Mundwinkel,
seitlich abgesunkene Augenbrauen und Platysmabänder am Hals.
Vorgehen
In die Muskeln, die zur Faltenbildung beitragen, spritzt der Arzt
gezielt an mehreren Punkten das Toxin ein. Die Wirkung ist erst nach
ein bis drei Tagen zu erkennen. Sie erreicht ihr Maximum ein bis zwei
Wochen später, hält dann vier bis sechs Monate an und lässt allmählich
nach. Das Gift bleibt zwar an Ort und Stelle gebunden, aber in die
Muskeln wachsen neue Nervenendigungen ein, so dass die Lähmung
aufgehoben wird. Wie lange die Wirkung anhält, hängt von der
angewendeten Technik sowie von individuellen Umständen ab.
Risiken und Komplikationen
Bei Krankheiten die sich auf die Nervenendigungen auswirken, sollte das
Toxin nicht eingesetzt werden, wie z.B. bei Myasthenia gravis. Während
der Schwangerschaft und Stillzeit und unter Einnahme
muskelentspannender Medikamente sowie bestimmter Antibiotika muss auf
diese Technik verzichtet werden. Wird durch falsche Injektion der
Lidhebermuskel geschwächt, hängt das Oberlid herab. Wenn das Toxin die
Augenmuskeln erreicht, kann es zum Sehen von Doppelbildern kommen.
Weitere Risiken sind Augentrockenheit, Entzündung der Hornhaut des
Auges, Blutergüsse und Lidschwellungen (in weniger als 1% der Fälle).
Diese Erscheinungen bilden sich innerhalb weniger Tage bis Monate
wieder zurück. Wie häufig solche Komplikationen auftreten, hängt auch
mit der Erfahrung des Anwenders zusammen.